Thüringen

Also kurzfristig in den Harz mit Endziel in die Eifel, so hatten wir das vor. Doch kam es widererwartend völlig anders. Einfach treiben lassen, am Samstag starteten wir gegen Mittag und liessen uns nur durch den Navi führen, nicht einfach schnellste Route von A nach B, sondern den kürzesten Weg (Autobahn und Schnellstrassen wurden ausgegrenzt) wurde eingegeben. Wir haben hiermit gute Erfahrungen, denn man fährt dabei die kleinsten Nebenstrassen und findet wunderschöne Strecken. Den Hundertwasserbahnhof in Uelzen liessen wir aber nicht liegen.

Am frühen Abend kamen wir in Goslar an und hatten gleich eine Unterkunft für wenig Geld gefunden, dazu fast am Marktplatz. Dann Sonntags im Harz, die Idee war nicht so gut ! 1000sende von Mopetten und wir fühlten uns umzingelt. Immer über die Seitenstrassen kam wir ins mittelalterliche Stollberg. Scheinbar ein bekannter Mopettentreff. Uns führte es dann zum Kyffhäuser, endlich mal richtige Serpentinen im Norden. Hier nutzen wir die Gunst der Stunde und vertieften mal wieder unsere Kurventechniken. Hauptständer und Koffer mussten ein wenig leiden. Kleine Kratzspuren liessen die Kurvenneigung feststellen. Stollberg gefiel uns so gut, das wir dort abends eine Pension suchten.

Der Weg sollte uns ja Richtung Eifel führen. Über viele kleinen Strassen fuhren wir über den Solling ins Weserbergland. In Bad Karlshafen wurde pausiert. Am Edersee sollte die Übernachtung auf einem Campingplatz gemacht werden. Aber dort war alles absolut überfüllt, selbst in den Pensionen ging es nicht anders zu. Also weiter nach Korbach, hier genossen wir einen lauen Sommerabend. Beim morgigen Frühstück hörten wir von den Wetterkapriolen in der Eifel. Sollten wir unsere Entscheidung überdenken ?

Tatsächlich, dort rauschten einige Unwetter runter und würden uns beim Fahren hinderlich sein. Ein Anruf beim persönlichen Wetterdienst liess uns unsere Pläne abermals umwerfen. Die Wetterlinie verlief südlich von Thüringen. Hier war die Wahrscheinlichkeit, das wir das schöne obwohl etwas zu heisse Wetter weiter geniessen durften. Kurze Planung, nächstes Ziel ist Oberhof im Thüringer Wald.

Ich kann diese wunderschöne Strecke überhaupt nicht mehr beschreiben. Was auffällig war, das überall Baustellen war, die uns ständig nicht die geplante Route fahren liessen. Bei Fritzlar fanden wir den Custom Bike Hersteller Fred Ködlin, natürlich mussten wir hier einen absoluten Stop einlegen. Einfach fazinierend was man so bauen kann, hier gingen die Preise auch leicht mal bis 150.000 Teuronen rauf. Wir selber unterhielten uns noch mit Fred, wir sprachen unsere Anerkennung aus. Alleine die Ideen die dort umgesetzt worden sind fazinieren schon. Allmählich kamen wir nach Thüringen rein und es wurde wieder sehr viel hügeliger. Die Sonne brannte von oben unabdingbar und wir waren froh, wenn die Sträßchen sich mal wieder in den kühlen Wald verfingen.

In der Oberhof angekommen sahen wir gleich ein paar der netten Damen des Biathlonkaders, unteranderem Andrea Henkel, die ihre Trainingsrunden auf ihren Rollbrettern absolvierten. Eine Unterkunft in einer kleinen Pension wurde schnell gefunden. Aber auch hier werden im Sommer ab 20 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt. Am Abend setzte der ersten Regen ein.

Morgens sollte uns der direkte Weg nach Weimar führen, vielleicht sogar wieder in den Harz. Aber die Landschaft und Strassen überwältigten uns soweit, das wir viele viele Kilometer im Thüringer Wald abfuhren. Endlich Ruhe von den vielen Autos, hin und wieder mal Mopettenfahrer. Es ist schon gut mit einer Reiseenduro unterwegs zu sein, wenn man sehen würde welche Strassenbeläge und kleinen Strassen wir gefahren sind. Aber das meistern die GS*en einfach wunderbar.

Am Abend trafen wir in Weimar ein, nähe des Zentrums fanden wir eine Unterkunft, es waren nur einige Meter bis zum Marktplatz. Wie immer hatten wir Glück ! Am Abend hörten wie Klezmer Musik, ehr eine Art Session mit vielen vielen Musikern, die sich abwechselnd. Einfach geniesserisch an diesem lauen Sommerabend in dieser wundervollen Stadt.

Der nächste Tag brachte uns erstmal in das ehemalige KZ Buchenwald, ein grausiges Kapitel in unserer deutschen Geschichte, hier ein Dank an Herrn Wiese, der mit uns die Führung machte. Wir hielten uns länger als erwartet dort auf, denn eigentlich war eine Übernachtung im Harz geplant. Doch am nächsten Tag wollten wir abends in Kiel sein. Der Ritt über die kleinen Nebenstrassen brachte uns noch bis nach Salzwedel. Ein Mörderritt bei dieser Hitze, aber alles so einfach rechts und links liegen lassen und über die Autobahn zu fliegen ist nicht unsere Welt. Der Abend ging beim netten Essen in der historischen Altstadt von Salzwedel zu Ende.

Über die Elbe sollte es nach Kiel gehen. Von Salzwedel Richtung Schnackenburg nach Dömnitz und Lenzen durch die traumhafte Elbauenlandschaft, die wir auf unserer Elbtour im Mai schon gesehen hatten. Die Jungstörche damals noch in den Eiern flogen jetzt schon ihre Trainingsrunden um sich auf den Vogelzug vorzubereiten. Ein Zeichen das sich der Sommer dem Ende neigt, auch die Stare sammeln sich schon wieder und fliegen in großen Schwärmen ihre Runden.

Wieder über die Dörfer landeten wir in Zarrentin und fuhren zum Ratzeburger See, hier noch ein Päuschen und kurz nach der Weiterfahrt ein Notstop um ins Regenzeug zu springen. Der Regen begleitete uns dann bis nach Kiel.

Fazit: Es war mal eine andere Erfahrung nicht geplant sich einfach dort hin treiben zu lassen wo es schön ist. Fast 1900 km kamen so zustande.

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